KAYOKO
Ein Portrait

"Wer mitreden will, muss sie einfach gehört haben. Absolut faszinierend!"
(PIANO News, II 99)


Deutschen Konzertfreunden ist Kayoko spätestens seit drei Jahren einen Begriff: im Frühjahr 1999 trat Kayoko auf einer bundesweiten Benefiztournee zu Gunsten obdachloser Menschen in allen bedeutenden deutschen Städten auf. Die "frenetisch gefeierte Pianistin" (WZ) wurde bundesweit mit höchsten Kritikerlob bedacht. Auf dem Programm standen Werke von Bach, Beethoven, Chopin und Schumann, mit deren aufsehener-regender Interpretation sie sich die Herzen ihres Publikums im Sturm eroberte.

KAYOKO ist in Tokyo aufgewachsen und erhielt bei ihrer Mutter, einer Koto-Spielerin, erste Musikstunden. Bei ihr lernte sie neben dem klassischen japanischen Zupfinstrument auch einen immensen Schatz an japanischen Liedern kennen. Gleichzeitig erhielt sie erste Klavierstunden und absolvierte später mit Auszeichnung ein erstes Klavierstudium in ihrer Heimatstadt Tokyo. Schon als Achtjährige trat sie in japanischen Musiksendungen auf, da das Kind an die 400 Lieder seiner Heimat - teilweise mit sechs Strophen - beherrschte. So wurde bereits in der Kindheit ein erster Grundstein für KAYOKOs tiefen Zugang zu japanischer Musik und asisatischer Pentatonik gelegt. Dieses Schöpfen aus östlichen Quellen wurde zum Ursprung ihres wegweisenden Projektes NAMI NO OTó (KLANG DER WELLEN). Mit diesem Programm wird die Künstlerin im Frühjahr 2002 zugunsten von GEMEINSAM GEGEN KÄLTE in 32 deutschen Städten auftreten.

Als junge Studentin war es jedoch ihr größter Wunsch, die Musik Robert Schumanns, dessen Schaffen ihr so viel bedeutete, in dessen Heimatland Deutschland zu studieren. Da die Städte Leipzig und Dresden  aufgrund der politischen Lage nicht in Frage kamen, entschied sie sich für Düsseldorf, die Stadt, in der Robert Schumann im Jahre 1882 auf Vermittlung von Felix Mendelssohn-Bartholdy Hier gibt es weitere Informationen ... seine Stelle als Musikdirektor trat.

Im Januar 1982, als Kayoko von Japan kommend in Düsseldorf aus dem Flugzeug stieg, führte sie ihr erster Weg - noch den Koffer in der Hand - zum Wohnhaus von Robert und Clara. Dort, in der Bilkerstraße, am alten Markt war sie - zumindest was den Ort anbetraf - am Ziel ihrer Reise: vor der letzten Wohnung von Robert Schumann, in der er musikalisch und publizistisch der Romantik neue Bahn brach, von der aus die Musikwelt tiefgreifenden Umbruch und Richtungsweisung erfuhr. Im Gepäck hatte die 22-jährige Studentin die Kinderszenen und die C-Dur Fantasie von Schumann, mit denen sie sich zur Aufnahmeprüfung an der Kölner Musikhochschule vorstellte.

Dort wurde sie Schülerin von Aloys Kontarsky  in Köln und bei Jean Micault, dem sie zum pianistischen Feinschliff nach Saarbrücken und Paris folgte. So steht Kayoko in der Tradition der wegweisenden deutsch-französischen Pianistenschule. Micault, selbst Schüler von Ravel, Cortot und der Liszt-Schülerin Sophie Menter gilt in der Pianistenszene seit jeher als Geheimtip. Als Enkelschüler Chopins zählt der fast blinde Spieler und geniale Lehrer für Kenner zur Riege der großen Pianisten des 20 Jhs. Seine bis zu Chopin reichende Tradition der französischen Pianistenschule ist auch prägend für Kayokos Spiel, in deren Interpretationen dieses Erbe weiterlebt. Schon vor ihrer Ausbildung in Europa spielte sie im Alter von 12 Jahren in Tokio einen ersten Abend mit den Etüden op.10 sowie den vier Balladen von Chopin neben Franz Liszts "La Campanella", der dem jungen Mädchen den enthusiastischen Applaus des Publikums und die Bewunderung ihrer (älteren) Kollegen einbrachte.

Heute, 30 Jahre später, lebt die Pianistin gemeinsam mit ihrem Gatten, dem Cellisten Thomas Beckmann, im Düsseldorfer Schumannhaus, das die Studentin bei ihrer Ankunft in Deutschland aufsuchte. Die letzte Wohnung Clara und Robert Schumanns wurde dem Künstlerpaar 1992 von der Stadt Düsseldorf mit einstimmigem Ratsbeschluss ehrenhalber angeboten. Der schicksalsträchtige Ort, von dem aus Robert am Rosenmontag 1854 aufbrach, um sich in den Rhein zu stürzen, der Clara, die acht Kinder und zeitweise Johannes Brahms beherbergte, bleibt auf diese Weise ein Platz, an dem die Musik noch heute zum Alltag gehört: Auf dem Kammermusikflügel Herbert von Karajans
Hier gibt es weitere Informationen ..., der Kayoko nach ihrem Debüt in der Hamburger Musikhalle vom Solooboisten der Hamburger Philharmoniker geschenkt wurde und der heute im Dachgeschoss steht, erarbeitet sie sich mit ihrem Mann ein ständig wachsendes Programm für Violoncello und Klavier. Für ihr Soloprogramm hat sie einen Steinway D-Flügel Hier gibt es weitere Informationen ... zur Verfügung, auf dem schon Arthur Rubinstein Hier gibt es weitere Informationen ... und Walter Gieseking Hier gibt es weitere Informationen ... (der Vorgänger ihres Lehrers Micault an der Musikhochschule Saarbrücken) spielten und der sich durch seine wunderbaren Bässe auszeichnet. Dieses Instrument erwarb sie sich nach ihrer Ankunft in Deutschland von einem Wuppertaler Klavierbauer. Da sich hierfür ihre gesamten Ersparnisse aufbrauchte lebte sie anschließend fünf Jahre in einer Garage um ihr Studium nicht aus finanziellen Gründen abbrechen zu müssen. Heute ist sie mit dem herrlichen Instrument Gast im gegenüberliegenden Heinrich Heine Institut Hier gibt es weitere Informationen ..., das das Andenken Clara und Robert Schumanns im Auftrag der Stadt wahrt. Im großen Keller dieses Museums hat die Künstlerin einen wunderbaren Raum gefunden, in dem sie sich ungestört bis in die Nacht mit der Interpretation ihrer Solowerke auseinandersetzen kann. Auch ihre Schüler suchen Sie hier auf Hier gibt es weitere Informationen ....

Als Japanerin, die in Europa eine neue Heimat gefunden hat, ist es ihr zudem ein Anliegen, Japans Einflüssen auf die europäische Musik des 20. Jhs. nachzuspüren und diese in ihren Klavierprogrammen offenzulegen. Japans musikalische Hochkultur und ihr Einfluss auf Europa ist im Westen bisher wenig wahrgenommen worden, obwohl das Land der aufgehenden Sonne die europäische Musik des beginnenden 20. Jhs nachhaltig geprägt hat. Aus japanischer und nicht ausschließlich javanischer (Gamelan) Quelle speist sich der musikalische Impressionismus. Kayoko hat zu diesem Thema jahrelang Materialien gesammelt und spürt seitdem den Spuren nach, die Japans Klangwelt in den Werken Debussys und Ravels hinterlassen hat. KAYOKO weist mit ihrem faszinierenden Programm den bedeutenden Zusammenhang, der zwischen französischem Impressionismus und seinen japanischen Wurzeln besteht, erstmalig nach. Ihre traditionelle japanische Musikerziehung und die Lehrjahre in der Pariser Musikwelt wurden für sie zu einem elektrisierenden Spannungsfeld. Ergebnis ihrer intensiven Auseinandersetzung mit den Urtexten französischer Impressionisten und deren japanischen Ursprüngen ist ein neuer, wegweisender Zugang zu den Werken Debussys und Ravels. Vor dem Hintergrund japanischer Musik entstanden neuartige Klänge, wellenartige Interferenzen und pentatonisch sich überlagernde Schwebungen. Auf diesem Wege wurden die französischen Kompositionen von romantischer Deutungsart befreit und entstehen neu aus ihren japanischen Quellen. Wer glaubt, die Werke Ravels und Debussys zu kennen, wird von den außerordentlichen Klangfarben überrascht werden, die KAYOKO aus dem Flügel zaubert. NAMI NO OTO (Klang der Wellen) steht für Klangfarben, Schwingungen und Schwebungen, wie sie bisher so auf dem Klavier nicht zu vernehmen waren und die dem gängigen Klischee des Klavierklanges widersprechen. Wer tiefer in Kayokos Spiel hineinhört, findet in Debussys und Ravels Kompositionen das Instrumentarium japanischer Musikwelt wieder: Obwohl auf einem Flügel gespielt, glaubt man die Koto (dreizehnseitige Wölbbrettzither)
und die Shakuhachi (Bambusflöte)  zu hören.

Im Bereich der Kammermusik verfügt Kayoko über einen großen Erfahrungsschatz: Gemeinsam mit ihrem Mann trat sie in über 1000 Duoabenden für Violoncello und Klavier auf. Ihr musikalisches und soziales Wirken wurde mit dem Kiwanis-Preis und der Lorenz-Werthmann-Medaille (der höchsten Auszeichnung, die die Deutsche Caritas zu vergeben hat)
Hier gibt es weitere Informationen ... bedacht.

Kayoko gibt ihr Wissen heute als Pädagogin weiter, die unter ihren Studenten aus ganz Europa und Japan einen legendären Ruf genießt. Über 50 (!) Preise, die Kayokos Schülern in den letzten Jahren auf Musikwettbewerben zugesprochen wurden, geben hiervon Zeugnis.

Im Jahre 2002 unterstützt KAYOKO mit einer bundesweiten Benefiztournee erneut das von ihrem Mann gegründete GEMEINSAM GEGEN KÄLTE Projekt zugunsten obdachloser Menschen. Auch in Frankreich, England und Japan wird sie für GEMEINSAM GEGEN KÄLTE auftreten. Die Musik im gesellschaftlichen Kontext und nicht im Elfenbeinturm zu betreiben, ist seit jeher ihr Anliegen:

" Die Musik ist eine unbezwingbare Macht des Guten!"

So beschreibt die bescheidene Japanerin, die um die Probleme der Obdachlosigkeit in Europa, aber auch in Japan nur allzugut weiß, das menschliche Anliegen der anstehenden Mammuttournee. Wie in der Vergangenheit tritt sie - der Tradition ihres Mannes treu bleibend - gänzlich ohne Gage auf.

 

kurzes Portrait

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