Das Schumannhaus in der Bilker Strasse Nr. 1032 (heute Hausnummer 15) ist die letzte gemeinsamen Station auf dem Lebensweg von Clara und Robert Schumann. Hier findet eine der großen und bewegenden Liebesgeschichten des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt, aber auch ihr tragisches Ende. Hier steht eine unvergleichliche musikalische und menschliche Lebensgemeinschaft auf ihrem Gipfel und vor dem Abgrund.
Der 1810 in Zwickau geborene Robert Schumann lernt Clara (geb. 1819) als Schüler ihres Vaters Friedrich Wieck im Jahre 1830 in Leipzig kennen. Zwei Jahre lang lebt Robert als Untermieter in der Wieckschen Wohnung, Grimmaische Gasse 36. Clara, die früh als Wunderkind auf sich aufmerksam macht, genießt schon

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in jungen Jahren großen Ruhm. Robert muss seine angestrebte Karriere als Pianist aufgeben, da er sich durch eine von ihm eigens konstruierte Maschine zum Training des kleinen Fingers schwerwiegende Verletzungen an den Händen zuzieht.  Er wird Komponist und später Herausgeber der von ihm gegründeten "Neuen Zeitschrift für Musik". Die Ehe mit Clara erzwingt er gegen den Willen ihres Vaters vor Gericht. Aus der Ehe gehen acht Kindern hervor. Ihr letztes gemeinsames Domizil findet die achtköpfige Familie im Schumannhaus am Rande der Düsseldorfer Altstadt in der am Markt gelegenen Bilkerstrasse in der Carlstadt.

Der kleine Emil verstarb schon früh in Dresden, Felix wird in der Bilker Strasse geboren. Über Ferdinand Hiller und Felix Mendelssohn-Bartholdy gelangte Schumann von Leipzig nach Düsseldorf und übernimmt von ersterem die Stelle des Musikdirektors. Erst wenige Tage vor seinem ersten Konzert mit dem Düsseldorfer Musikverein vollendet er sein Violoncellokonzert und arbeitet noch am Tage vor seinem ersten Auftritt an den Partituren zum diesem großartigen Werk. Dies ist um so bemerkenswerter, als auf dem Programm des Antrittskonzertes höchst anspruchsvolle Werke

stehen: U.a. eine deutsche Erstaufführung von Niels W. Gades Camala für Solostimmen Chor und Orchester, die C-Dur Ouvertüre von Beethoven und das Mendelssohn-Klavierkonzert (Solistin:Clara).

 Die Schumanns pflegen einen regen gesellschaftlichen Umgang. Die Intelligenz der Gesellschaft trifft sich in ihrer Wohnung. Sie schließen engen Kontakt zur Düsseldorfer Malerschule (Wilhelm von Schadow, K.F. Lessing, Johann Peter Hasenclever)  und den führenden Kreisen der Düsseldorfer Gesellschaft (Josef Euler, Richard Hasenklever  u.a.). Bei ihrer Ankunft werden sie begeistert empfangen und im Breidenbacher Hof einquartiert. Kurzfristige Bleibe finden die Schumanns daraufhin in Wohnungen auf der Alleestr. (heutige Heinrich-Heine-Allee)/Ecke Grabenstr., der Königsallee und der in der damaligen Neustadt gelegenen Herzog Strasse. Die Clara und Robert ziehen mit ihren sechs Kindern in vier Jahren also viermal um. Ihr letztes gemeinsames Domizil wird jedoch die Bilker Strasse. Das zweistöckige Haus des Weinhändlers Aschenberg  ist auf Grund seiner Lage und seines Zuschnittes für die große Familie gut geeignet. Zum ersten Mal können die beiden Musiker gemeinsam in einer einzigen Wohnung musizieren: Robert unten in der "Belle Etage", Clara oben im zweiten Stock: die Zimmer liegen so weit auseinander, dass sich die beiden Musiker nicht stören.  Roberts glücklicher Einstand beim Düsseldorfer Musikverein ist jedoch nicht von Dauer. Es gibt Schwierigkeiten bei den Proben, der Maestro ist gekränkt und verletzt, das Orchester wirft dem Mann mit der leisen Stimme unzureichende Durchsetzungsfähigkeit und unklares Dirigat vor.

In einem Schaffensrausch arbeitet Schumann jedoch weiterhin an einer Vielzahl bedeutender Werke unter anderem der Es-Dur und der d-moll Sinfonie, dem Violinkonzert, zahlreichen Kammermusikwerken und Liedern.  Nach zehnjähriger schriftstellerischer Abstinenz greift er aktiv in die aktuelle Musikdebatte des 19. Jahrhunderts ein und steuert diese beträchtlich: Er ebnet Johannes Brahms, der die Schumanns am 30.09.1853 in der Bilker Strasse besucht und daraufhin direkt für einen Monat bei Ihnen wohnt, den Weg. Von seinem Können sind sowohl Clara wie er zutiefst beeindruckt. Robert schreibt den Artikel " Neue Bahnen", in dem er feststellt, "Das ist ein Berufener". Von diesem Tag an stehen Johannes Brahms die Türen zur  Musikwelt offen.

Bei Robert flackern 1851 Einzelanfälle von Schwindel und Gehörstörungen, unter denen er schon seit 1833 litt, erneut auf. Die Erkrankung verschlechtert sich im Verlauf der Jahre 1852 und 1853, es beginnen sich erste Anzeichen einer geistigen Verwirrung bemerkbar zu machen. Robert hört durchgängig den Kammerton A zu dem sich nun noch ein weiterer Klang gesellt. Später hört er ganze Orchester und vernimmt merkwürdige Erscheinungen. Er beschäftigt sich mit dem "Tischerücken", bei dem ihn unter anderem Konzertmeister Josef Wilhelm von Wasielewski im Kreise seiner Lieben vorfindet. Am Rosenmontag 1854 nimmt der Krankheitsverlauf dramatische Formen an: Robert mischt sich im Morgenrock unter die ausgelassene Menge und stürzt sich von der nahe gelegenen Schiffsbrücke in den Rhein. Er wird von einem Bootsmann gerettet und unter dem Johlen der Menge nach Hause gebracht. Zwei Tage später bringt man ihn auf eigenen Wunsch mit den aus Endenich angereisten Wärtern in die Nervenheilanstalt Bonn-Endenich, die unter der Führung des Nervenarztes Dr. Richarz als fortschrittlich gilt. Geisteskranke sind dort nicht, wie 19. Jahrhundert quasi üblich, der Folter ausgesetzt. Schumann bleibt bis zu seinem Tode am 28. Juli1856 in der Heilanstalt. Unter anderem legt man ihm hier eine so genannte Fontanelle, d. h. man eröffnet die Schädeldecke  und infiziert die Wunde künstlich, da man der Meinung ist, dass der folgende Eiterungsprozess Giftstoffe ausschwemme und zur seelischen Gesundung des Patienten beiträgt. Johannes Brahms ist Clara, die Robert in den zwei Jahren nur ein einziges Mal - kurz vor seinem Tode - besucht, eine große Stütze. Bettina von Arnim, die Robert in Endenich aufsucht, äußert ernste Bedenken an der  Notwendigkeit der Einweisung und Behandlung des Patienten und empfindet seinen Krankheitszustand eher leichter Natur. Nach Roberts Tod muss Clara die Wohnung in der Bilker Strasse aufgeben und zieht in eine günstigere Wohnung in der nahe gelegenen Poststraße. Im gleichen Haus findet auch Brahms eine Bleibe. Um die neue Situation finanziell zu bewältigen, verteilt Clara die Kinder an Verwandte und Freunde. Sie selbst zieht später nach Berlin, Baden-Baden und Frankfurt, wo sie 1896 stirbt. Der 14 Jahre jüngere Brahms ist durch ihren Tod sehr erschüttert und stirbt ein Jahr später in Wien.

 

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